„Zum Nachdenken“: Quellwasser – Lebenswasser

Pflanzen, Tiere und Menschen brauchen Wasser, um zu leben. Wasser ist lebensnotwendig. Wer einmal eine Wüste durchquert hat oder einen Berg bestiegen hat, der weiß, wie kostbar Wasser sein kann. Das Wertvolle des Wassers spüren besonders jene Menschen, denen kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung steht. Weltweit haben aktuell 2,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser. 4,2 Milliarden Menschen – also mehr als 55 Prozent der Weltbevölkerung – haben keine sicheren Sanitäranlagen. Etwa vier Milliarden Menschen leben in Regionen, die in mindestens einem Monat pro Jahr von hoher Wasserknappheit betroffen sind. (Genauere Infos unter: Weltwassertag 2023: Fakten zu Wasserknappheit & Sauberkeit | UNICEF)

In vielen Religionen und Kulturen des Altertums wurden Flüsse und Quellen als Heiligtum verehrt. Viele heilige Handlungen in den Religionen – Taufen, Reinigungs- und Ritualbäder – sind mit Wasser als dem Inbegriff von Leben verbunden.

Oft ist das natürliche Wasser ein Symbol für etwas Tiefgründigeres, für eine transzendente, unsichtbare Wirklichkeit, die eben nur durch das Symbol ausgedrückt werden kann. Wasser als Bildspur, die uns über den Durst des Körpers noch woanders hinführen will.

Wasser in seiner symbolischen Bedeutung hat sehr oft etwas mit Erneuerung, Reinheit, neuer Lebenseinstellung, Heil, einem neuen Herzen und einem neuen Geist zu tun, einem Wiedergeborenwerden aus „Wasser und Geist“ (Joh. 3,5).

Bernardin Schellenberger sagt: „Fast alle Aktivitäten unseres Lebens stellen im Grund genommen den Versuch dar, unseren Durst zu stillen- unseren Durst nach Leben und Sinn. Man kann sich grundsätzlich nie genug betrinken. Wir Menschen hungern und dürsten nach mehr als allem.“ (B. Schellenberger, Gehimmelt und geerdet, Atemlesungen für spirituell Suchende, S. 90)

Auf einer seelischen Ebene geht es darum, seinen Durst zu spüren, nicht den des Körpers, sondern den in der Seele nach Sinn im Leben, nach Lebendigkeit und Farbe in einem grau gewordenen Alltag, nach dem „Flow“ in den Erstarrungen eines auf Pflichterfüllung und Funktionierenmüssen reduzierten Lebens.

Doch wie kann ich die Quellen des Lebens, die mich lebendig machen, wieder freilegen? Wie den „Dreck“ herausfiltern, der womöglich meine Lebensquellen verschmutzt hat?   

Der Benediktiner Anselm Grün warnt vor dem Schöpfen aus trüben Quellen wie zum Beispiel dem Ärger, der Machtsucht, der Gier nach immer mehr; auch negative Gedanken, Kontroll- und Perfektionszwänge können unsere Lebensquellen verschmutzen. Solche Einstellungen trüben und verschmutzen das, was uns lebendig macht und führen womöglich irgendwann zu einer Erschöpfungsdepression (Burnout). Burnout greift das Bild der Quelle oder des Brunnens auf, aus der wir Kraft, Lebendigkeit und Energie schöpfen: Burnout heißt dann, dass entweder die Quelle versiegt ist oder wir aus trüben Quellen schöpfen.

Umgekehrt hat ein spirituelles Leben damit zu tun, „aus der Quelle des Heiligen Geistes zu leben“, die sich konkret zeigt „in Tugenden und Haltungen, die die Kräfte in unserer Seele aktivieren und freilegen. Wer aus dieser Quelle lebt, der darf erleben, dass sein Leben gelingt und neuen Geschmack erhält: das Erleben von Weite und Freiheit, von Lebendigkeit und Liebe.“ (A. Grün, Quellen innerer Kraft, Erschöpfung vermeiden-positive Energien nutzen, S.79f.) Im Johannesevangelium heißt es dazu:

„Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird in Ewigkeit nicht mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zu einer Quelle werden, deren Wasser in das ewige Leben sprudelt.“ (Joh 4, 14f.)

(vgl. Schellenberger, Bernardin: Ich bin es, der mit dir redet. Die Botschaft des Johannesevangeliums, Freiburg im Breisgau 2008)

Impulse:

Aus welchen Quellen schöpfe ich?

Durch welche trüben Quellen (Ärger, Gier, Eitelkeit, Perfektionszwang…) werden meine „Lebenswasser“ verschmutzt?

Was ist womöglich in mir erstarrt und hart geworden? Ich rezitiere dazu das kleine Gedicht von Rose Ausländer: „Wieder“: „Mach wieder/Wasser aus mir, /Strömen will ich/im Strom/ins Meer münden//“.