Zum Nachdenken: „Reinigung – ein Impuls zur Fastenzeit“
„Was hat das zu bedeuten?…….Sogar die unreinen Geister gehorchen seinem Befehl.“ (Mk 1,27),
„Auch die von unreinen Geistern Geplagten wurden geheilt.“ (Lukas 6,18)
Nicht nur zur Zeit Jesu plagten „unreine Geister“ die Seele des Menschen. Wer spürt nicht von Zeit zu Zeit ein Bedürfnis nach Reinigung und Klärung. Das macht sich manchmal im Äußeren wie dem Hausputz bemerkbar oder im Verzicht auf Alkohol und Süßigkeiten in der Fastenzeit. Darunter liegt aber das tiefere Bedürfnis nach Reinigung von Körper, Seele und Geist.

Oftmals sammeln sich im Laufe der Monate eine Vielzahl kleiner, oftmals harmlos eingeschätzter „unreiner Geister“ an, die aber schließlich doch in ihrer Menge die innere seelische Atmosphäre trüben und zu einer geistigen Luftverschmutzung führen. Müdigkeit im Tun, Erstarrung im Inneren, Trübungen im Beziehungsfluss sind dann mögliche Symptome, die dann manchmal bei uns den Wunsch heraustreiben: Ich muss in meiner Seele etwas klären und reinigen. (vgl. dazu J. Epping, Unsere Dämonen, in: CIG 5, 61.Jg, Freiburg 09) Ein erster Schritt könnte darin bestehen, die „unreinen Geister“ vor sich selbst zu benennen (sie z.B. aufschreiben).
Ich möchte einige Beispiele geben, was die biblisch-mythologische Sprache mit „unreinen Geistern“, also Geisteshaltungen, meinen könnte:

Der Geist der Habsucht zwingt zum Konsum – ein Zuviel an Fernsehen, Internet, Alkohol, Süßigkeiten, „Frustshopping“- und übertüncht nicht selten die eigene innere Leere und verhindert, dass wir die darunter verborgene Sehnsucht nach authentischem Leben noch spüren. Der Geist der Geschwätzigkeit zieht gerne über andere her, plaudert Vertrauliches aus und belustigt sich an den Schwächen anderer. Der Geist der Ungeduld treibt ständig an und lässt nie zur Ruhe kommen („Mach endlich voran! Du bist zu langsam!“). Der Geist der Abwertung versucht, andere kleinzumachen oder verhindert an die eigenen Fähigkeiten zu glauben („Der kann ja nichts!“, oder: „Ach, ich bin doch so ein Dummkopf!“). Der Geist des Vorurteils schreibt den anderen „fest“ (z.B. „Der war schon immer so!“ „Von dem kann man nichts anderes erwarten!“…) und raubt ihm die Entwicklungsmöglichkeiten hin zu Besserem. Der Geist der Negativität kann sich für nichts begeistern. Mit „Bringt ja eh nichts!“, wird jeder Vorschlag zur Veränderung zunichte gemacht.
Der Geist des Kleinmuts gibt schon bei den ersten Hindernissen auf. Der Geist der Ängstlichkeit meidet jedes Wagnis und führt zum kleingläubigen Kreisen um sich selbst. Der Geist der Kontrolle traut anderen nichts zu, will alles überwachen und zwingt, sich überall einzumischen. Der Geist der Unkeuschheit macht den anderen zum Objekt eigener Begierde statt ihn um seiner selbst willen zu achten. Der Geist der Verharmlosung versucht, begangene Schuld im Mitmenschlichen herunterzuspielen. („Alles halb so schlimm!“) Der Geist der Hartherzigkeit und Rachsucht verhindert, dass wir anderen verzeihen oder jene um Verzeihung bitten. Der Geist der Zerstreuung verwickelt uns im Banalen und hält uns vom Wesentlichen ab. Der Geist der Arroganz schaut auf andere herab und fühlt sich überlegen.
Der Geist der Unverbindlichkeit legt die Karten nicht auf den Tisch und vermeidet eine Entscheidung.
Der Geist der Rechthaberei macht unfähig, die Perspektive des anderen einzunehmen und die eigene Position infrage zu stellen. Der Geist der Trägheit (lat. acedia) meidet die persönliche Verantwortung, sich für das Leben und das Gute einzusetzen.

Es ließen sich hier noch viele andere „unreine Geister“ hinzufügen, doch jede und jeder mag seine Eigenen finden und sie benennen. Viele dieser „unreinen Geister“ wollen -um in der biblischen Sprache zu bleiben-, unbehelligt bleiben, verstecken sich hinter scheinbarer „Normalität“, sammeln und vernetzen sich, werden zu Trends („Geiz ist geil“…), zu Einstellungen und Lebensstilen, die den Egoismus triumphieren lassen und die Güter der Erde zerstören. „Unreine Geister“ springen über vom verantwortungslosen Politiker zum kleinen Mann, von Bank zu Bank, sammeln sich und werden mächtig, werden zu „Mächten und Gewalten“.
Der Geist der Lüge und Verharmlosung („eine Hand wäscht die andere“; „..davon habe ich nichts gewusst!“), bemächtigt sich schließlich vieler und macht aus Schuldigen bedauernswerte Opfer, die jegliche Verantwortung für das Unrecht von sich weisen. Kaum jemand bedenkt, dass die Blutbahnen auch eines Gemeinwohls, einer Institution, einer Gesellschaft ähnlich dem körperlichen Organismus zunehmend verstopfen, wenn den unreinen Geistern des Lügens und Betrügens Tür und Tor offenstehen. Und so springen die unreinen Geister über von Mensch zu Mensch, von Institution zu Institution, aber auch von Staat zu Staat und verhindern humane Konfliktlösungen zwischen Verfeindeten.
Impuls:
- Benenne und schreibe auf einen Zettel die „unreinen Geister“, die Dich plagen.
- Benenne den entgegengesetzten guten und heilenden Geist (z.B. bei Geiz die Großzügigkeit, bei Ängstlichkeit den Mut oder das Vertrauen…)
- Ich könnte mit vertrauten Menschen über meine „unreinen Geister“ – meine Schuld, meine Fehler, meine Negativität, meine Dunkelheiten, …- sprechen, um das Unreine und Getrübte aus seinem Versteck zu holen.